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Hope

Hope

Februar 2013

 

 

Hallo Leute!

 

Ich bin Hope. Meine Menschen sagen, ich sei eine Mischung aus Esel und Giraffe, wegen meiner Größe und Fellzeichnung. Manchmal sagen sie auch, ich sei ein Wundertütenhund (man weiß nicht, was drinsteckt). Daniel sagt ich sei eine Mischung aus Schäferhund und sonst noch was, auf alle Fälle ganz viel Herdenschutzhund. Als ich zu meinen Leuten kam stand in den Papieren bei Name des Hundes „Big Boy“. Meine Menschen haben mich Hope (=Hoffnung) genannt. Ich habe ein abenteuerliches Leben hinter mir, lest mal!

 

Ich wurde 2009 in Beirut, Libanon geboren. Nach der Trennung von meiner Mutter musste ich selber sehen wie ich zurecht kam. Ich fand einen Platz in der Nähe eines Supermarktes. Tagsüber versteckte ich mich hinter den Müllcontainern und im Gebüsch, nachts versuchte ich etwas Fressbares aus den Containern zu kriegen und kam damit zurecht. Ab und zu besuchten mich Mitarbeiter vom Tierschutz. Weil sie sahen dass es mir einigermaßen gut ging, ließen sie mich dort in meinem Revier. Die Angestellten des Supermarktes ließen mich auch in Ruhe. Manche Menschen warfen Steine nach mir oder jagten mich weg, aber ich hatte dort bei den Containern meinen Platz. Eines Tages drängten ein paar Jugendliche in eine Ecke und schlugen mit Knüppeln auf mich ein. Warum? Ich hatte ihnen doch nichts getan, es tat so weh. Ich konnte nicht mehr laufen, mir nichts mehr zu fressen oder zu trinken suchen. Die Mitarbeiter vom Tierschutz fanden mich nicht mehr. Kinder sagten denen dann, dass ich hinter den Containern liege. Die Tierschützer nahmen mich mit, obwohl das Tierheim überfüllt war. Sie versorgten meine Wunden, pflegten mich und suchten mir ein Zuhause. Niemand wollte mich. Ich war als Kuschelhund zu groß und zu lieb um als Wachhund zu fungieren. So blieb ich im Tierheim und litt. Ich mag Menschen und wollte nichts lieber als der Hund von irgendjemand sein. Und dann kam mein großer Tag. Eines Morgens wurde ich in einen Flugkennel gesteckt, machte eine lange Reise und war abends in einer neuen Stadt in einem neuen Land, bei Menschen die sehr nett zu mir waren. Ich war anfangs skeptisch, vielleicht durfte ich hier auch nicht bleiben. Ich war sehr zurückhaltend, aber die Menschen blieben nett und ich bekam jeden Tag meinen vollen Napf. Der andere Hund in der Familie, Luna, ist Chefhund. Ich akzeptiere ihre Stellung. Ganz klar ist auch, dass der Kater und die Kaninchen in meinem neuen Zuhause keine Beute sind, sondern Familie. Und endlich kann ich kuscheln! Ich kann gar nicht genug davon bekommen. Meine beiden Frauchen, ich liebe sie und möchte sie am liebsten nur für mich und niemanden an sie ranlassen, ich muss sie beschützen! Nach etwa zwei Monaten bekam ich eine ganz merkwürdige Krankheit, sie heißt „Flausen im Kopf“. Meine Menschen brauchten Hilfe und sie fanden Daniel wieder. Er hatte vor vielen Jahren Luna geholfen, die Geschichte kennt ihr ja. So, jetzt soll Frauchen weiter erzählen.

 

 

Hallo liebe Hundefreunde,

 

ihr kennt mich ja schon von Lunas Geschichte. Aus Luna ist übrigens ein ganz toller Hund geworden, wir Zwei verstehen uns mittlerweile ohne Worte. Ein Blick von mir reicht und sie weiß was ich will. Ich bin Daniel noch immer dankbar, dass er mir Mut gemacht hat, an Luna zu glauben. Er hatte Recht mit allem, auch damit dass sie immer unberechenbarer bleiben wird als „ein normaler Hund“. Luna ist immer noch sehr zurückhaltend Fremden gegenüber, sie lässt sich nicht anfassen und nimmt auch keine Leckerchen an. Wenn wir rausgehen lässt sie Pferde, Schafe, Jogger, Radfahrer in Ruhe. Nur wenn sie von Fremden angesprochen wir oder jemand sie streicheln will, wird sie ängstlich, kläfft, zeigt Zähne.

 

Jetzt zu Hope. Meine Tochter und ich hatten beschlossen einen zweiten Hund bei uns aufzunehmen. Sie fand im Internet eine Seite von BETA, einer Tierschutzorganisation in Libanon. Sie schrieb denen und sagte, dass wir deren ärmsten Hund bei uns aufnehmen wollten. Wir hatten dabei an einen Dreibeiner, blinden oder  Medikamente abhängigen Hund. Stattdessen schickten sie uns Bilder von einem großen hübschen Hund. Er war schon längere Zeit im Tierheim. Sein Alter konnte man ziemlich genau bestimmten, Frühjahr 2009, weil er seit seiner Welpenzeit in seinem Revier immer mal wieder von Mitarbeitern des Tierschutzes betreut wurde. Im Tierheim aufnehmen konnten sie ihn erst nicht, wegen ständiger Überfüllung. Er entwickelte sich vom Welpen zu „Big Boy“ und lebte bis zu der schlimmen Misshandlung bei seinen Supermarktcontainern. Die Tierschützer brachten ihn damals mehr tot als lebendig zum Tierarzt und pflegten ihn gesund. Seitdem hat er eine Schiefstellung des Kopfes, was ihn aber nicht beeinträchtigt. Im Tierheim wurde er kastriert, geimpft und man betrieb seine Vermittlung. Er war inzwischen groß geworden. Er kann locker seinen Kopf auf jeden Tisch legen! Das war auch wohl der Grund für das mangelnde Interesse der libanesischen Bevölkerung. Kleine Hunde wurden schnell vermittelt, aber Big Boy blieb und blieb. Als wir sein Foto sahen waren wir wirklich erstaunt. Nach Ansicht der Tierschützer war er ihr größter Notfall. Big Boy war sehr zutraulich, trotz seiner Biographie den Menschen zugetan. Wollte kuscheln, geliebt werden und Liebe geben. Nachdem alle internationalen Vorschriften erfüllt waren, holten wir ihn am 15.07.2012 am Düsseldorfer Flughafen ab. Eine Tierschützerin hatte zwei Hunde mitgebracht. Der erste Kontakt mit Big Boy: Aus dem Kennel schlich ein großer, magerer, schüchterner Hund. Unterwürfig, demütig. Er schüttelte häufig den Kopf, hielt ihn schief, das rechte Ohr war berührungsempfindlich. Wir fuhren nach Hause. Autofahren war schonmal kein Problem. Im Garten meiner Schwester führten wir Luna und Big Boy, von nun an Hope, auf neutralem Boden zusammen. Hope war sehr ruhig und zurückhaltend, Luna wie erwartet herrisch, dominant, knurrend, Bürste, Stelzgang, hoch erhobener Schwanz. Luna wie sie leibt und lebt eben. Bei uns Zuhause ging das Spiel weiter. Luna war sehr auf der Hut. „Will der etwa hier bleiben?!“ Luna bekommt ihren Napf, Hope seinen in einigem Abstand. Der erste Abend war für alle sehr anstrengend. Luna stand unter großem Stress. Hope nahm das alles sehr gelassen, er ließ sich streicheln, knuddeln, überall anfassen. Als ich die Lefzen hochnahm bekam ich Zustände. Alle Zähne waren mit einem dicken grauen Belag überzogen. Zahnstein in dem Alter? Außerdem schüttelte Hope oft den Kopf und hielt ihn schief. Konnte das von den Misshandlungen kommen, oder hatte er eine Ohrenentzündung?

 

Nach einem Ochsenknie und die stundenlange Bearbeitung desselben, war der Zahnbelag schonmal verschwunden und schöne weiße Zähne kamen zum Vorschein. Die erste Nacht war nervig. Jeder Hund hatte seinen Schlafplatz, meine Tochter schlief auf dem Sofa zwischen ihnen. Morgens wussten wir jedenfalls dass Hope nicht stubenrein war. Nach ein paar Tagen hatte er aber begriffen, dass man nicht in die Wohnung k***** und p*****. Er begriff auch, dass er den Kater und die Kaninchen in Ruhe zu lassen hat. Kater Yoko hat ihm das nach anfänglicher Zurückhaltung mit ein paar eindrucksvollen Hieben auf die Hundenase klar gemacht. Hope ist ein Phänomen. Ich hatte immer Hunde um mich, aber so einen wie Hope habe ich noch nicht erlebt. Er ist einfach nur lieb. Er stellt sich vor uns hin, senkt den Kopf und wartet dass er gestreichelt wird. Er sucht unsere Nähe und ist lieb und sanft. Er kommt nur aufs Sofa wenn er die Erlaubnis bekommt. Man kann mit ihm kuscheln wie mit einem Kind. Er lässt sich in den Arm nehmen, bleibt ruhig liegen, lässt sich aber auch wegschicken wenn es genug ist. Ich kann verstehen dass er in dem Tierheim ein Notfall war. Die Zuwendung die er braucht, konnte er dort nicht bekommen. Das Kopfschütteln haben wir von unserer Tierärztin untersuchen lassen. Hope hatte in beiden Ohren Entzündungen und zusätzlich im rechten Ohr eine dicke Pilzinfektion. Kein Wunder, dass er den Kopf schüttelte und immer mit der Pfote in die Ohren ging. Es muss fürchterlich gejuckt haben. Die Pilzinfektion war nach etwa zwei Monaten ausgeheilt. Die Bakterien im rechten Ohr sind jetzt nach fast 6 Monaten Dauerbehandlung auch fast weg. Er muss Schlimmes mitgemacht haben. In den ersten Wochen schreckte er aus dem Schlaf hoch, sprang jaulend auf und rannte mit geduckter, ängstlicher Haltung weg von dem Ort wo er gerade noch lag und schließ. Er ließ sich aber schnell wieder beruhigen. Mit der Zeit lebte er sich gut ein, fühlte sich sicherer und dann bekam er Flausen. Plötzlich stieg er an der Leine hoch, wenn uns Menschen mit Hunde entgegenkamen, egal ob die Hunde an der Leine waren oder nicht. Er kläfft, springt hin und her, zieht wie verrückt. Einmal hat er mich zu Boden gerissen, weil auf dem Weg vor uns ein Hund lief. Zwanzig Meter entfernt. Der Hund und sein Mensch hatten uns noch gar nicht gesehen. Das bloße Sehen eines anderen Hundes auf der Straße genügte, um Hope in Rage zu versetzen, wenn er angeleint war. Hope und anderer Hund ohne Leine: Kein Problem. Aber wenn der andere Hund angeleint war und Hope nicht, gab es Probleme. Hope wird stocksteif, macht eine Bürste und knurrt. Da hilft nur möglichst schnell dazwischen stellen und Hope ablenken. Im freien Gelände, zum Beispiel Scharpenacken, ist unser Hope ein Seelchen. Er verträgt sich mit allen Hunden und Menschen. Er lässt sich von einem dominanten Chihuahua in die Flucht schlagen, wenn beide unangeleint sind. Anders ist es wenn Pferde oder Schafe auftauchen. Da hilft nur auf der Hut sein und Hope anleinen. Wenn wir einen Moment zu spät reagiert haben, ist er losgedüst und nicht mehr abrufbar.

 

Ein anderes Problem: Wenn Hope eine Spur in der Nase hat, verfolgt er diese erbarmungslos. Da hilft kein rufen oder mit Leckerchen locken, Hope ist weg.

 

Anderes Problem: Ich gehe mit Hope die Morgenrunde und uns begegnet ein Mann. Ruhig, normal gehend, Leine hängt locker, ich ganz entspannt aber Hope wohl nicht, obwohl man ich nichts angemerkt hat. Als der Mann auf gleicher Höhe ist, springt Hope vor mich, stellt sich auf und blafft den Mann an. Der springt zur Seite, bekommt einen gehörigen Schrecken und ist natürlich sehr verärgert. Ich kann mich nur vielmals entschuldigen. Es ist Gott sei Dank nichts passiert, aber was ist los mit Hope? Lebt er jetzt alles aus, wozu er bisher keine Zeit hatte, weil er ums Überleben kämpfen musste? Meint er uns verteidigen zu müssen, aus einem Grund den nur er kennt? Ist es einfach nur pubertäre Flegelhaftigkeit? Wir brauchten Hilfe und ich dachte, jetzt müsste eigentlich Daniel kommen, um ihn zu kurieren. Durch Zufall fanden wir über die Seite der Tierschutzorganisation „RespekTiere“ auch Daniel. Kurze Zeit später kam er zu uns und schaute sich Hope an. Hope ist überhaupt nicht erzogen und zeigt eindeutig welpisches Verhalten. Er kennt weder Grenzen noch Respekt vor irgendetwas, ist neugierig, freundlich, kann sich aber nicht benehmen. Das ist bei einem so großen Hund problematisch. Wir kamen von da an jeden Sonntag in die Hundeschule. Mit Hope mussten wir ganz am Anfang anfangen: „Sitz“, „Platz“, „Bleib“, „Komm“. Diese Kommandos beherrschte er schnell, an allen anderen Problemen arbeiten wir noch. Die Kommunikation klappt noch nicht zu 100%, aber dabei hilft uns jetzt Daniel. Ihn versteht Hope sofort. Daniel hat seine Leine in der Hand und alles klappt. Er präsentiert eine Energie, Dominanz oder wie immer man das nennen will, der sich unser Hund unterordnet. Freiwillig, ohne Zwang. Wenn wir es dann genauso machen, klappt es ein paar Mal aber dann hat Hope sich daran gewöhnt und reagiert wie früher. Daniel muss uns immer wieder helfen. Er hat immer wieder ein Ass im Ärmel und wir geben nicht auf. Hope ist so ein schöner und lieber Hund, der es verdient hat bei uns zu leben, nach all seinem Unglück. Aber so wie wir Menschen nach Regeln leben, muss auch Hope sich an Regeln halten. Und damit das so sanft und schonend für Menschen- und Hundeseele abläuft, haben wir Daniel. Es ist schon viel besser geworden. Anfangs ein armseliger, magerer und eingeschüchterter Hund und jetzt? Meine Tochter sagt manchmal: „Guck mal, Hope lacht.“